Königsfliegenpilz (Amanita regalis): Steckbrief und Besonderheiten

Königsfliegenpilz (Amanita regalis): Steckbrief und Besonderheiten

Das Wichtigste in Kürze · 5 Min. Lesezeit

  • Der Königsfliegenpilz (Amanita regalis) hat einen leber- bis dunkelbraunen Hut mit gelblichen Flocken.
  • Sein Partnerbaum ist die Fichte; er bevorzugt saure, feuchte Böden und meidet Kalkgebiete.
  • Verbreitet ist er vor allem in Nordeuropa, in Deutschland nur in einigen Mittelgebirgen wie Harz oder Bayerischem Wald.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie wählte ihn zum Pilz des Jahres 2000.
  • Wie der Fliegenpilz enthält er Ibotensäure und Muscimol und ist giftig.

Der Königsfliegenpilz (Amanita regalis) ist ein naher Verwandter des Fliegenpilzes mit leber- bis dunkelbraunem Hut und gelblichen statt weißen Flocken. Er wächst in Fichtenwäldern Nordeuropas, vor allem in Skandinavien, Finnland und im Baltikum. In Deutschland ist er eine Seltenheit, die nur in einigen Mittelgebirgen vorkommt.

Der folgende Steckbrief fasst Aussehen, Verbreitung, Gefährdung, Verwechslungsmöglichkeiten und Inhaltsstoffe zusammen. Er richtet sich an Naturinteressierte und Sammler, die die Art sicher einordnen möchten.

Steckbrief auf einen Blick

Merkmal Beschreibung
Wissenschaftlicher Name Amanita regalis
Weitere Namen Königs-Fliegenpilz, Brauner Fliegenpilz
Gattung Wulstlinge (Amanita)
Hut leber- bis dunkelbraun, gelbliche bis ockerfarbene Flocken, Rand im Alter gerieft
Lamellen weiß bis cremefarben, frei
Stiel und Ring weißlich bis gelblich, mit hängendem Ring
Stielbasis Knolle mit gelblichen Warzengürteln
Partnerbaum Fichte
Lebensraum Fichten- und Mischwälder auf sauren, feuchten Böden
Fundzeit Spätsommer bis Herbst
Giftigkeit giftig, enthält Ibotensäure und Muscimol

Aussehen: Hut, Flocken und Lamellen

Der Hut ist anfangs halbkugelig, später gewölbt bis flach und erreicht eine ähnliche Größe wie beim Fliegenpilz. Seine Farbe reicht von Leberbraun über Ockerbraun bis zu einem dunklen Kastanienbraun; zum Rand hin ist er oft etwas heller. Bei älteren Exemplaren ist der Rand gerieft.

Die Flocken sind die auffälligste Besonderheit. Sie sind nicht reinweiß wie beim Pantherpilz, sondern gelblich bis ockerfarben. Wie bei allen Wulstlingen handelt es sich um Reste der Gesamthülle, die den jungen Fruchtkörper umschließt und beim Wachsen aufreißt. Regen kann die Flocken abwaschen, dann bleibt ein glatter brauner Hut zurück.

Die Lamellen stehen frei und sind weiß bis cremefarben. Das Fleisch ist weiß und unter der Huthaut gelblich bis bräunlich getönt. Einen auffälligen Geruch besitzt die Art nicht.

Stiel, Ring und Knolle

Der Stiel ist weißlich bis blassgelblich und trägt einen hängenden, häutigen Ring, dessen Rand gelblich getönt sein kann. Die Stielbasis ist knollig verdickt. Wie beim Fliegenpilz sitzen darauf mehrere Gürtel aus Hüllresten – beim Königsfliegenpilz allerdings gelblich bis ockerfarben statt weiß.

Eine Knolle mit scharf abgesetztem Rand, wie sie der Pantherpilz besitzt, fehlt. Gerade dieses Merkmal ist bei der Abgrenzung zu anderen braunen Wulstlingen hilfreich. Wie der gemeinsame Bauplan beim roten Verwandten im Detail aussieht, zeigt der Beitrag über die Merkmale von Hut bis Knolle.

Verbreitung und Lebensraum

Der Königsfliegenpilz ist ein Pilz der nordischen Nadelwälder. Seine Hauptverbreitung liegt in Skandinavien, Finnland und im Baltikum, wo ausgedehnte Fichtenwälder auf feuchten, sauren Böden stocken. In Mitteleuropa beschränken sich die Vorkommen weitgehend auf kühlere, höhere Lagen.

Sein Partnerbaum ist die Fichte, mit der er eine Mykorrhiza bildet – eine Symbiose, bei der Pilz und Baum Nährstoffe und Zucker austauschen. Wie diese Partnerschaft funktioniert, erklärt der Artikel über die Mykorrhiza mit Birke und Fichte. Bemerkenswert ist, wie eng diese Bindung ist: Der Königsfliegenpilz kommt nur im natürlichen Verbreitungsgebiet der Fichte vor. In den Fichtenforsten des Flachlands, wo der Baum erst vom Menschen gepflanzt wurde, fehlt er.

In Deutschland liegen die Vorkommen deshalb vor allem in Mittelgebirgen wie Harz, Thüringer Wald, Erzgebirge, Fichtelgebirge sowie Oberpfälzer und Bayerischer Wald. Er bevorzugt schwere, feuchte und saure Böden und meidet Kalkgebiete. Die Fruchtkörper erscheinen im Spätsommer und Herbst, je nach Witterung früher oder später.

Ganz anders sieht es im Norden aus. In den großen Wäldern Lettlands, Litauens und Skandinaviens stehen Fichten auf natürlichen Standorten, und Pilzesammeln gehört dort seit Generationen zum Alltag. Warum gerade diese Region für Wildsammlung so bedeutend ist, beschreibt der Beitrag über Wälder und Sammelkultur im Baltikum.

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Pilz des Jahres 2000: selten und schutzwürdig

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) wählte den Königsfliegenpilz zum Pilz des Jahres 2000. Sie wollte damit auf eine Art aufmerksam machen, die wie viele Mykorrhizapilze unter dem zunehmenden Nährstoffeintrag in die Wälder leidet. Der Bestand gilt als rückläufig, die Art als echte Rarität.

Der Hintergrund: Stickstoff aus Landwirtschaft, Verkehr und Industrie gelangt über Luft und Regen in die Waldböden. Bäume sind auf gut versorgten Böden weniger auf ihre Pilzpartner angewiesen, und Arten, die auf nährstoffarme Standorte spezialisiert sind, geraten ins Hintertreffen. Der Königsfliegenpilz steht damit stellvertretend für viele unauffälligere Mykorrhizapilze.

Wer ihn in Deutschland entdeckt, sollte ihn deshalb stehen lassen und höchstens fotografieren. Welche Regeln beim Sammeln allgemein gelten und warum schonendes Vorgehen wichtig ist, fasst der Beitrag zu Regeln und Naturschutz beim Pilzesammeln zusammen.

Verwechslung mit Fliegenpilz und Pantherpilz

Lange galt der Königsfliegenpilz als Varietät des Fliegenpilzes und wurde als Amanita muscaria var. regalis geführt. Heute wird er meist als eigene Art betrachtet. Die enge Verwandtschaft zeigt sich im Aussehen – und in den Verwechslungsmöglichkeiten:

  • Ausgeblichener Fliegenpilz: kann orangebraun wirken, hat aber weiße Flocken und weiße Warzengürtel an der Knolle.
  • Pantherpilz: kleinerer brauner Hut mit reinweißen Flocken, Knolle mit scharf abgesetztem Rand.
  • Perlpilz: fleischrötlicher Hut, rötendes Fleisch, oberseits gerieftes Ringchen.
  • Grauer Wulstling: grau- bis graubrauner Hut mit grauen Flocken, oberseits geriefter Ring, Knolle ohne gelbe Töne.

Die gelbliche Farbe von Flocken und Knollengürteln ist also das wichtigste Erkennungszeichen. Den häufigsten Verwechslungspartner stellt der Steckbrief zum Pantherpilz ausführlich vor. Die Gemeinsamkeiten mit dem Fliegenpilz beleuchtet unser Beitrag über Amanita muscaria und Amanita regalis im Detail.

Inhaltsstoffe und Giftigkeit

Der Königsfliegenpilz enthält wie der Fliegenpilz Ibotensäure und Muscimol und ist giftig. Eine Vergiftung verläuft nach demselben Muster wie beim Fliegen- und Pantherpilz, mit Verwirrtheit, Unruhe, Schwindel und Benommenheit. Was über diese Stoffe bekannt ist, erklärt der Beitrag über die Inhaltsstoffe Ibotensäure und Muscimol.

Bei Verdacht auf eine Vergiftung rufen Sie sofort den Giftnotruf oder den Notruf 112 an, auch wenn noch keine Beschwerden bestehen. Anzeichen, Verlauf und die richtigen Schritte beschreibt unser Artikel zu Vergiftungssymptomen und Erster Hilfe.

Das gilt auch für getrocknete Ware im Haushalt: Kappen und Pulver gehören gut verschlossen und außer Reichweite von Kindern und Haustieren aufbewahrt. Hunde etwa fressen mitunter auch Getrocknetes, das ihnen harmlos erscheint.

Fazit

Der Königsfliegenpilz ist der braune, nordische Bruder des Fliegenpilzes: leber- bis dunkelbrauner Hut, gelbliche Flocken, Fichte als Partner. In Deutschland ist er selten und schutzwürdig, in den Wäldern Skandinaviens und des Baltikums dagegen deutlich häufiger anzutreffen.

Wer diese Art als Sammlerstück kennenlernen möchte, findet im Shop getrocknete Königsfliegenpilz-Kappen aus Wildsammlung in Skandinavien und im Baltikum, handverlesen, schonend bei niedrigen Temperaturen getrocknet und laborgeprüft. Wie Ernte, Trocknung und Verpackung im Einzelnen ablaufen, zeigt der Beitrag vom Wald bis zur fertigen Packung. Weitere Formen zeigt die Amanita-regalis-Kollektion. Alle Produkte sind Sammler-, Deko- und Forschungsobjekte, werden nur an Erwachsene verkauft und sind nicht zum Verzehr bestimmt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Königsfliegenpilz und Fliegenpilz?

Der Königsfliegenpilz hat einen braunen statt roten Hut und gelbliche statt weißer Flocken und Knollengürtel. Außerdem ist er eng an die Fichte gebunden und vor allem im Norden Europas zu Hause.

Wo findet man den Königsfliegenpilz in Deutschland?

Fast nur in naturnahen Fichtenwäldern der Mittelgebirge, etwa im Harz, im Erzgebirge oder im Bayerischen Wald. In angepflanzten Fichtenforsten des Flachlands fehlt er in der Regel.

Warum ist der Königsfliegenpilz selten?

Er ist auf naturnahe Fichtenstandorte mit sauren, nährstoffarmen Verhältnissen angewiesen. Der zunehmende Nährstoffeintrag in die Wälder setzt ihm wie vielen Mykorrhizapilzen zu.

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Hinweis: Unsere Produkte werden ausschließlich als Sammler-, Dekorations- und Forschungsartikel verkauft und sind nicht zum Verzehr bestimmt. Verkauf nur an Personen ab 18 Jahren. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung.

Titelbild: Andreas Gminder (Mushroom Observer), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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