Fliegenpilz-Vergiftung: Symptome, Verlauf und Erste Hilfe

Fliegenpilz-Vergiftung: Symptome, Verlauf und Erste Hilfe

Das Wichtigste in Kürze · 5 Min. Lesezeit

  • Erste Beschwerden meist nach 15 Minuten bis 2 Stunden: Schwindel, Gangunsicherheit, Verwirrtheit, Erregung oder Benommenheit.
  • Auslöser sind Ibotensäure und Muscimol – dasselbe Vergiftungsbild verursachen Pantherpilz und Königsfliegenpilz.
  • Bei Verdacht sofort den Giftnotruf, bei Bewusstlosigkeit, Krämpfen oder Atemnot die 112.
  • Kein Erbrechen auslösen, keine Milch, keine Hausmittel – Pilzreste für die Bestimmung aufbewahren.
  • Beginnen Beschwerden erst nach mehr als 6 Stunden, besteht Verdacht auf eine Knollenblätterpilz-Vergiftung.

Eine Fliegenpilz-Vergiftung beginnt meist schon 15 Minuten bis 2 Stunden nach dem Verzehr, in Einzelfällen erst nach etwa 4 Stunden. Typisch sind Schwindel, ein unsicherer Gang, Verwirrtheit und ein Wechsel zwischen starker Erregung und tiefer Benommenheit. Bei Verdacht rufen Sie sofort einen Giftnotruf an – bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder Atemproblemen direkt den Notruf 112.

Fachleute sprechen vom Pantherina-Syndrom oder Fliegenpilz-Pantherpilz-Syndrom. Es ist ein medizinischer Notfall und gehört in ärztliche Hände, auch wenn es anfangs wie ein harmloser Schwindel wirken mag. Dieser Ratgeber erklärt sachlich, woran Sie eine Vergiftung erkennen und was bis zum Eintreffen der Hilfe zu tun ist.

Welche Stoffe die Vergiftung auslösen

Verantwortlich sind vor allem zwei Inhaltsstoffe: Ibotensäure und das eng verwandte Muscimol, das durch Umwandlung aus Ibotensäure entsteht. Beide ähneln körpereigenen Botenstoffen und wirken deshalb auf das zentrale Nervensystem. Wie die beiden Moleküle entdeckt wurden und worin sie sich unterscheiden, lesen Sie im Beitrag Ibotensäure und Muscimol verständlich erklärt.

Dasselbe Vergiftungsbild verursachen neben dem Fliegenpilz (Amanita muscaria) auch der Pantherpilz (Amanita pantherina), der Königsfliegenpilz (Amanita regalis) und der Narzissengelbe Wulstling (Amanita gemmata). Der Pantherpilz gilt dabei als besonders giftig. Das namensgebende Muscarin spielt dagegen kaum eine Rolle – warum, zeigt der Artikel über den Irrtum um das Muscarin.

Typische Symptome einer Fliegenpilz-Vergiftung

Das Beschwerdebild erinnert anfangs an einen schweren Alkoholrausch, ist aber deutlich unberechenbarer. Häufig beschrieben werden:

  • Schwindel, Gangunsicherheit und Koordinationsstörungen (Ataxie)
  • Sprachstörungen, Verwirrtheit und Desorientierung
  • Sinnestäuschungen und Wahrnehmungsstörungen
  • starke motorische Unruhe, Erregung und Muskelzuckungen
  • im Wechsel damit ausgeprägte Müdigkeit und Benommenheit
  • erweiterte Pupillen
  • Übelkeit und Erbrechen – nicht bei allen Betroffenen

In schweren Fällen kommen Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit bis zum Koma und Atemstörungen hinzu. Kinder sind wegen ihres geringen Körpergewichts besonders gefährdet. Todesfälle sind selten, aber beschrieben, vor allem nach dem Verzehr von Pantherpilzen.

Der zeitliche Verlauf

Der Ablauf folgt oft einem wiederkehrenden Muster, kann im Einzelfall aber deutlich abweichen. Die Zeitangaben sind Richtwerte aus der toxikologischen Fachliteratur, keine Garantie.

Zeitraum Typischer Verlauf
15 Minuten bis 2 Stunden (selten bis etwa 4 Stunden) erste Beschwerden: Schwindel, Gangstörungen, Müdigkeit oder Erregung, teils Erbrechen
die folgenden Stunden Verwirrtheit, Sinnestäuschungen, Wechsel zwischen Unruhe und Benommenheit; in schweren Fällen Krämpfe oder Bewusstlosigkeit
nach etwa 10 bis 15 Stunden häufig tiefer Schlaf, danach klingt die Vergiftung meist ab
danach oft Erinnerungslücken an die Vergiftungsphase

Wichtig: Dass die Beschwerden nachlassen, ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Betroffene müssen bis zum vollständigen Abklingen überwacht werden, denn gerade in Erregungsphasen kommt es leicht zu Stürzen und Unfällen.

Alarmzeichen: Beschwerden erst nach sechs Stunden

Die kurze Latenzzeit ist typisch für das Pantherina-Syndrom. Beginnen die Beschwerden dagegen erst sechs Stunden oder noch später nach einer Pilzmahlzeit, oft mit heftigem Erbrechen und Durchfall, besteht der Verdacht auf eine Vergiftung durch Knollenblätterpilze. Deren Amatoxine schädigen die Leber, und nach einer scheinbaren Besserung kann sich der Zustand lebensbedrohlich verschlechtern. Mehr dazu im Beitrag über den Grünen Knollenblätterpilz als tödlichen Verwandten.

Besonders tückisch sind Gerichte aus mehreren selbst gesammelten Arten: Ein früher Beschwerdebeginn schließt eine zusätzliche, später einsetzende Vergiftung nicht aus. Nennen Sie dem Giftnotruf deshalb alle Pilze, die gegessen wurden.

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Erste Hilfe: Das sollten Sie tun

  1. Ruhe bewahren und die betroffene Person nicht allein lassen.
  2. Notruf 112 wählen, wenn die Person bewusstlos ist, krampft, schwer atmet oder nicht mehr ansprechbar ist.
  3. In allen anderen Fällen sofort einen Giftnotruf anrufen – auch dann, wenn noch keine Beschwerden bestehen.
  4. Für das Gespräch bereithalten: Alter und ungefähres Gewicht, welche Pilze wann gegessen wurden, welche Beschwerden seit wann bestehen.
  5. Reste sichern: Pilzreste, Putzabfälle, Verpackungen und gegebenenfalls Erbrochenes aufbewahren und in die Klinik mitnehmen. Sie helfen Fachleuten bei der Bestimmung.
  6. Bewusstlose Personen mit normaler Atmung in die stabile Seitenlage bringen und die Atmung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes kontrollieren.

Das sollten Sie auf keinen Fall tun

  • Kein Erbrechen auslösen – schon gar nicht mit Salzwasser, das selbst eine gefährliche Vergiftung verursachen kann.
  • Keine Milch und keine Hausmittel geben; Milch ist kein Gegenmittel.
  • Keinen Alkohol und keine Medikamente ohne ärztliche Anweisung.
  • Nicht abwarten, ob es „von allein vorbeigeht“, und die Person nicht unbeobachtet ausschlafen lassen.
  • Nicht selbst Auto fahren – weder die betroffene Person noch eine aufgeregte Begleitperson, wenn der Rettungsdienst kommen kann.

Ob Aktivkohle sinnvoll ist, entscheiden Giftnotruf oder Ärztin bzw. Arzt im Einzelfall.

Giftnotruf in Deutschland und Österreich

Die Giftinformationszentren sind rund um die Uhr erreichbar und beraten auch Laien. Im Notfall hilft Ihnen jedes Zentrum weiter, auch außerhalb seines Zuständigkeitsgebiets.

Zentrum Zuständig für Telefon
Giftnotruf der Charité Berlin Berlin, Brandenburg 030 19240
Informationszentrale gegen Vergiftungen Bonn Nordrhein-Westfalen 0228 19240
Gemeinsames Giftinformationszentrum Erfurt Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen 0361 730730
Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg Baden-Württemberg 0761 19240
Giftinformationszentrum-Nord Göttingen Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein 0551 19240
Giftinformationszentrum Mainz Rheinland-Pfalz, Hessen 06131 19240
Giftnotruf München Bayern 089 19240
Vergiftungsinformationszentrale Wien Österreich 01 406 43 43 (aus dem Ausland +43 1 406 43 43)

Für das Saarland gibt es ein eigenes Zentrum; die vollständige, aktuelle Liste veröffentlicht das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Speichern Sie die Nummer Ihrer Region am besten schon heute im Handy.

Vorbeugen: Sammeln, bestimmen, sicher aufbewahren

Viele Vergiftungen entstehen durch Verwechslungen beim Sammeln oder durch die Neugier von Kindern. Pilze, die Sie nicht zweifelsfrei kennen, lassen Sie im Wald oder von einer Pilzberatung mit geprüften Sachverständigen kontrollieren. Wer getrocknete Fliegenpilze als Sammlerstück oder Dekoration besitzt, bewahrt sie verschlossen, beschriftet und außer Reichweite von Kindern und Tieren auf – praktische Hinweise gibt der Beitrag Fliegenpilz, Kinder und Haustiere.

Unsere Produkte sind ausdrücklich nicht zum Verzehr bestimmt und werden nur an Erwachsene ab 18 Jahren verkauft. Zur rechtlichen Einordnung lesen Sie unseren Beitrag zur Rechtslage von Fliegenpilz in Deutschland.

Fazit

Eine Fliegenpilz-Vergiftung kündigt sich meist innerhalb weniger Stunden mit Schwindel, Verwirrtheit und einem Wechsel aus Erregung und Benommenheit an. Sie ist ernst zu nehmen, gehört in ärztliche Hände und wird nicht zu Hause „ausgeschlafen“. Giftnotruf oder 112, Reste sichern, kein Erbrechen auslösen – diese drei Regeln sollten Sie kennen. Setzen Beschwerden erst nach sechs Stunden ein, denken Sie an den Knollenblätterpilz.

Wer Fliegenpilze wegen ihrer Schönheit oder aus botanischem Interesse schätzt, muss dafür nicht selbst sammeln: In unserer Fliegenpilz-Kollektion aus baltischer Wildsammlung finden Sie etwa getrocknete Fliegenpilz-Kappen, handverlesen und laborgeprüft – ausschließlich für Sammler, Deko und Forschung, nicht zum Verzehr.

Häufige Fragen

Wann treten Symptome einer Fliegenpilz-Vergiftung auf?

In der Regel innerhalb der ersten ein bis zwei Stunden. Ein Beginn nach mehr als sechs Stunden spricht eher für ein anderes, gefährlicheres Vergiftungsbild und muss sofort ärztlich abgeklärt werden.

Kann man an einer Fliegenpilz-Vergiftung sterben?

Tödliche Verläufe sind selten, aber möglich – vor allem bei Pantherpilz-Vergiftungen, bei Kindern und bei schweren Verläufen mit Krampfanfällen oder Atemstörungen. Deshalb gehört jeder Verdachtsfall in ärztliche Behandlung.

Welche Nummer hat der Giftnotruf in Österreich?

Die Vergiftungsinformationszentrale in Wien ist rund um die Uhr unter 01 406 43 43 erreichbar, aus dem Ausland unter +43 1 406 43 43. Bei Lebensgefahr wählen Sie 112 oder die Rettung unter 144.

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Hinweis: Unsere Produkte werden ausschließlich als Sammler-, Dekorations- und Forschungsartikel verkauft und sind nicht zum Verzehr bestimmt. Verkauf nur an Personen ab 18 Jahren. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung.

Titelbild: Egor Plenkin, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

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