Amanita Arten: Die Gattung der Wulstlinge im Überblick
Das Wichtigste in Kürze · 5 Min. Lesezeit
- Wulstlinge (Amanita) haben freie Lamellen, weißes Sporenpulver und Reste einer Gesamthülle an Stielbasis und Hut.
- Zur Gattung gehören geschätzte Speisepilze wie der Kaiserling ebenso wie der tödliche Grüne Knollenblätterpilz.
- Fliegenpilz, Pantherpilz und Königsfliegenpilz enthalten Ibotensäure und Muscimol und gelten als giftig.
- Entscheidende Merkmale sitzen oft im Boden: Nur vollständig ausgegrabene Funde lassen sich beurteilen.
- Scheidenstreiflinge sind Wulstlinge ohne Ring – früher wurden sie als eigene Gattung geführt.
Inhalt
- Woran Sie einen Wulstling erkennen
- Die wichtigsten Amanita-Arten im Vergleich
- Fliegenpilz, Pantherpilz, Königsfliegenpilz: die Ibotensäure-Gruppe
- Die Knollenblätterpilze: tödliche Wulstlinge
- Kaiserling und Perlpilz: begehrt, aber heikel
- Scheidenstreiflinge: Wulstlinge ohne Ring
- Warum Amanita-Funde in Expertenhand gehören
- Fazit: Eine Gattung mit zwei Gesichtern
- Häufige Fragen
Zur Gattung Amanita, auf Deutsch Wulstlinge, gehören weltweit mehrere hundert Arten – vom Fliegenpilz über den begehrten Kaiserling bis zum tödlichen Grünen Knollenblätterpilz. Gemeinsam sind ihnen freie, meist weiße Lamellen, weißes Sporenpulver und die Reste einer Gesamthülle, die als Knolle, Scheide oder Flocken auf dem Hut sichtbar bleiben.
In kaum einer anderen Pilzgattung liegen geschätzte Speisepilze und tödliche Giftpilze so nah beieinander. Dieser Überblick zeigt die wichtigsten Arten Mitteleuropas, ihre Kennzeichen und die Regeln, die jeder kennen sollte, der Wulstlingen im Wald begegnet.
Woran Sie einen Wulstling erkennen
Die Gattung lässt sich an einer Handvoll Merkmalen festmachen. Einzeln sind sie nicht eindeutig, zusammen ergeben sie ein klares Bild:
- Freie Lamellen: Die Lamellen reichen nicht bis an den Stiel heran. Hut und Stiel lassen sich meist leicht voneinander trennen.
- Weißes Sporenpulver: Legt man einen reifen Hut über Nacht auf dunkles Papier, bleibt ein weißer Abdruck zurück.
- Gesamthülle (Velum universale): Sie hinterlässt am Stielgrund eine Knolle oder häutige Scheide und auf dem Hut oft Flocken oder Hautfetzen.
- Ring (Velum partiale): Viele Arten tragen eine hängende Manschette am Stiel; den Scheidenstreiflingen fehlt sie.
- Partner von Bäumen: Fast alle Wulstlinge leben in Symbiose mit Waldbäumen.
Der deutsche Name bezieht sich auf die verdickte, wulstige Stielbasis. Der wissenschaftliche Name geht auf ein altgriechisches Wort für bestimmte Pilze zurück, das häufig mit dem Amanos-Gebirge in Kleinasien in Verbindung gebracht wird. Wie die Hüllreste auf dem Hut entstehen, erklärt der Beitrag über die weißen Punkte und das Velum. Wie die Partnerschaft mit Bäumen funktioniert, beschreibt die Mykorrhiza mit Birke und Fichte.
Die wichtigsten Amanita-Arten im Vergleich
| Art | Kennzeichen | Einstufung |
|---|---|---|
| Fliegenpilz (A. muscaria) | roter bis orangefarbener Hut mit weißen Flocken, weiße Lamellen, Knolle mit Warzengürteln | giftig |
| Pantherpilz (A. pantherina) | brauner Hut mit reinweißen Flocken, geriefter Hutrand, Knolle mit abgesetztem Rand | stark giftig |
| Königsfliegenpilz (A. regalis) | brauner Hut mit gelblichen Flocken, vor allem in nordischen Nadelwäldern | giftig |
| Grüner Knollenblätterpilz (A. phalloides) | olivgrüner, meist glatter Hut, weißer Ring, häutige Scheide | tödlich giftig |
| Kegelhütiger Knollenblätterpilz (A. virosa) | ganz weiß, kegelig-glockiger Hut, faserig-schuppiger Stiel | tödlich giftig |
| Gelber Knollenblätterpilz (A. citrina) | blassgelber Hut, Geruch nach roher Kartoffel, gerandete Knolle | ungenießbar |
| Kaiserling (A. caesarea) | orangefarbener Hut, goldgelbe Lamellen, weiße Sackscheide | Speisepilz, in Deutschland geschützt |
| Perlpilz (A. rubescens) | rötendes Fleisch, geriefte Ringoberseite, grauweiße bis rosa Flocken | roh giftig, Kennerpilz |
| Grauer Scheidenstreifling (A. vaginata) | grauer Hut mit gerieftem Rand, kein Ring, sackartige Scheide | für Anfänger ungeeignet |
Die Tabelle ersetzt keine Bestimmung vor Ort. Sie zeigt aber, wie ähnlich Arten mit völlig unterschiedlicher Giftigkeit aufgebaut sind.
Fliegenpilz, Pantherpilz, Königsfliegenpilz: die Ibotensäure-Gruppe
Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) ist der bekannteste Wulstling. Carl von Linné beschrieb ihn 1753 noch als Agaricus muscarius; erst später wurde er in die Gattung Amanita gestellt. Seine nächsten Verwandten in Mitteleuropa sind der Pantherpilz mit braunem Hut und reinweißen Flocken und der Königsfliegenpilz mit braunem Hut und gelblichen Flocken.
Alle drei enthalten Ibotensäure und Muscimol, die für das sogenannte Pantherina-Muscaria-Syndrom verantwortlich sind. Was über diese Stoffe bekannt ist, fasst der Beitrag Ibotensäure und Muscimol verständlich erklärt zusammen. Der Pantherpilz gilt als deutlich giftiger als der Fliegenpilz. Ausführliche Porträts finden Sie im Steckbrief des Pantherpilzes und im Beitrag zum Königsfliegenpilz aus dem Norden; einen älteren Überblick bietet die faszinierende Welt der Amanita-Pilze.
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Die Knollenblätterpilze: tödliche Wulstlinge
Die gefährlichsten Mitglieder der Gattung sind die Knollenblätterpilze. Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) sowie die weißen Arten – der Kegelhütige Knollenblätterpilz (Amanita virosa) und der Frühlings-Knollenblätterpilz (Amanita verna) – enthalten Amatoxine. Diese Gifte schädigen vor allem die Leber, werden durch Kochen oder Trocknen nicht zerstört und verursachen erst nach vielen Stunden Beschwerden. Der Großteil der tödlichen Pilzvergiftungen in Europa geht auf diese Gruppe zurück.
Alles Wichtige zu Merkmalen, Verlauf und Notfallnummern lesen Sie im Beitrag über den Grünen Knollenblätterpilz. Der ebenfalls verbreitete Gelbe Knollenblätterpilz (Amanita citrina) gilt dagegen nicht als tödlich giftig, ist aber ungenießbar. Sein Geruch nach roher Kartoffel ist ein gutes Merkmal, ersetzt aber keine vollständige Bestimmung.
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Zum Produkt →Kaiserling und Perlpilz: begehrt, aber heikel
Dass Wulstlinge nicht grundsätzlich giftig sind, zeigt der Kaiserling (Amanita caesarea). Er war schon im antiken Rom eine Delikatesse, wächst vor allem in Südeuropa und ist in Deutschland geschützt. Goldgelbe Lamellen, ein gelber Stiel und eine weiße Sackscheide unterscheiden ihn vom Fliegenpilz; mehr dazu im Porträt Kaiserling, der edle Verwandte.
Der Perlpilz (Amanita rubescens) gilt unter Kennern als Speisepilz, roh ist er jedoch giftig. Sein Fleisch verfärbt sich an Schnitt- und Fraßstellen weinrötlich, die Oberseite des Rings ist gerieft. Weil er dem Pantherpilz sehr ähnlich sieht, raten Pilzberater Anfängern von ihm ab. Die Unterschiede zeigt der Vergleich Perlpilz oder Pantherpilz sicher unterscheiden.
Scheidenstreiflinge: Wulstlinge ohne Ring
Eine eigene Gruppe bilden die Scheidenstreiflinge, die früher als Gattung Amanitopsis geführt wurden. Sie haben keinen Ring, ihr Hutrand ist deutlich gerieft, und am Stielgrund steckt eine sackartige Scheide ohne dicke Knolle. Bekannte Vertreter sind der Graue Scheidenstreifling (Amanita vaginata) und der Rotbraune Scheidenstreifling (Amanita fulva).
Für die Bestimmung sind sie ein Lehrbeispiel: Ein fehlender Ring beweist nicht, dass kein Wulstling vorliegt. Ringe können zudem bei älteren Exemplaren abfallen – auch beim Grünen Knollenblätterpilz.
Warum Amanita-Funde in Expertenhand gehören
Bei keiner Gattung wirken sich Bestimmungsfehler so drastisch aus. Typische Fallen sind:
- Die Stielbasis steckt im Boden: Wer den Pilz abschneidet, schneidet Knolle oder Scheide und damit das wichtigste Merkmal ab.
- Regen verändert das Bild: Flocken werden abgewaschen, Farben bleichen aus.
- Junge Exemplare sehen sich ähnlich: Solange der Pilz noch in seiner Hülle steckt, lassen sich Arten kaum unterscheiden.
- Apps und Fotos reichen nicht: Geruch, Verfärbung und Stielbasis sind auf einem Bild oft nicht zu erkennen.
Wer Wulstlinge findet und unsicher ist, wendet sich an eine Pilzberatung mit geprüften Sachverständigen. Wie sich die drei Arten aus unserem Sortiment botanisch unterscheiden, zeigt der Vergleich von Fliegenpilz, Pantherpilz und Königsfliegenpilz.
Fazit: Eine Gattung mit zwei Gesichtern
Die Wulstlinge vereinen einige der schönsten und einige der gefährlichsten Pilze Europas. Freie Lamellen, weißes Sporenpulver und die Reste der Gesamthülle verbinden sie; über Speisepilz, Giftpilz oder tödliche Gefahr entscheiden dagegen Details wie Lamellenfarbe, Knollenform und Flockenfarbe.
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Häufige Fragen
Wie viele Amanita-Arten gibt es?
Beschrieben sind weltweit mehrere hundert Arten, und es kommen laufend neue hinzu. In Mitteleuropa ist davon nur ein kleinerer Teil heimisch.
Sind alle Wulstlinge giftig?
Nein. Neben giftigen und tödlichen Arten gibt es auch Speisepilze wie den Kaiserling. Wegen der hohen Verwechslungsgefahr sollten Laien jedoch keinen Wulstling ohne fachkundige Prüfung mitnehmen.
Was ist der Unterschied zwischen Knolle und Scheide?
Eine Knolle ist eine verdickte Stielbasis, oft mit Warzen oder einem abgesetzten Rand. Eine Scheide (Volva) ist eine häutige, sackartige Hülle, die den Stielgrund wie ein Becher umgibt.
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Titelbild: Cephas, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons