Fliegenpilz-Varietäten: Gelbe, orange und weiße Formen

Fliegenpilz-Varietäten: Gelbe, orange und weiße Formen

Das Wichtigste in Kürze · 5 Min. Lesezeit

  • In Europa und Asien wächst fast nur die klassische var. muscaria mit rotem Hut und weißen Flocken.
  • Gelbe, orange, pfirsichfarbene und weiße Formen stammen überwiegend aus Nordamerika.
  • Orange Fliegenpilze in Deutschland sind meist verblasst – Regen und Sonne lösen die Farbstoffe.
  • Königsfliegenpilz und Amanita persicina gelten heute als eigene Arten.
  • Alle Formen gelten als giftig; DNA-Analysen verändern die Einteilung laufend.

Der Fliegenpilz ist nicht überall rot. Die bekannte Form mit scharlachrotem Hut und weißen Flocken heißt Amanita muscaria var. muscaria und ist die typische Form in Europa und Asien. Daneben gibt es gelbe, orangefarbene, pfirsichfarbene und weiße Formen, die als eigene Varietäten beschrieben wurden – die meisten davon in Nordamerika.

Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Viele Fliegenpilze, die im Wald orange oder gelblich aussehen, sind keine eigene Varietät, sondern schlicht verblasst. Dieser Überblick zeigt, welche Formen es gibt, wo sie wachsen und warum die Einteilung bis heute in Bewegung ist.

Was eine Varietät ist

In der Biologie ist die Varietät eine Rangstufe unterhalb der Art. Gemeint sind Populationen, die sich in auffälligen Merkmalen wie Hut- oder Flockenfarbe unterscheiden, aber noch zur selben Art gezählt werden. Beim Fliegenpilz steht der Varietätsname hinter dem Artnamen, etwa Amanita muscaria var. guessowii.

Wie gut diese Einteilung die Natur abbildet, ist umstritten. Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich hinter dem einen Fliegenpilz mehrere deutlich verschiedene Linien verbergen. Manche Fachleute sprechen deshalb von einem Artenkomplex. Einen Überblick über die gesamte Verwandtschaft bietet unser Beitrag über die Wulstlinge der Gattung Amanita.

Die wichtigsten Formen im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die bekanntesten Formen zusammen. Sie folgt vor allem der Einteilung des US-amerikanischen Amanita-Spezialisten Rodham Tulloss; andere Autoren grenzen einzelne Varietäten anders ab.

Form Hutfarbe Flocken und Hüllreste Verbreitung
var. muscaria scharlach- bis orangerot weiß Europa, Asien, westliches Alaska
var. flavivolvata rot bis orangerot gelb bis gelblich-weiß westliches Nordamerika bis Mittelamerika und Kolumbien
var. guessowii gelb bis orange, Mitte oft kräftiger blass gelblich ganz Nordamerika, vor allem der Nordosten
var. formosa gelb bis orangegelb hell Europa
var. alba weiß bis silbrig-weiß weiß selten
Amanita persicina (früher var. persicina) pfirsich- bis melonenfarben am Stiel schwach ausgebildet oder fehlend Küstengebiete im Südosten der USA
Amanita regalis (früher var. regalis) leber- bis ockerbraun weißlich bis gelblich Nordeuropa, vor allem Skandinavien

Europa: Rot als Regel, Gelb als Ausnahme

In Deutschland, Österreich und im Baltikum begegnet Ihnen fast ausschließlich die Nominatform var. muscaria: ein scharlach- bis orangeroter Hut mit weißen Flocken, weiße Lamellen, ein weißer Stiel mit Ring und eine Knolle mit warzigen Gürteln. Genau diese Form ist gemeint, wenn von den typischen Merkmalen des Fliegenpilzes die Rede ist.

Eine gelbe bis orangegelbe europäische Form beschrieb der Mykologe Christiaan Hendrik Persoon um 1800 als var. formosa. Gelbe Fliegenpilze sind in Mitteleuropa allerdings die Ausnahme. Nordamerikanische Pilzbücher haben den Namen formosa später oft für die dortigen gelben Fliegenpilze verwendet – nach heutiger Auffassung handelt es sich dabei aber nicht um dieselbe Sippe.

Nordamerika: Ein Kontinent, viele Farben

Deutlich bunter ist das Bild in Nordamerika. Im Westen, von Südalaska über die Rocky Mountains bis nach Mittelamerika und in die Anden Kolumbiens, wächst var. flavivolvata: rote Hüte wie in Europa, aber mit gelben bis gelblich-weißen Flocken.

Im Nordosten, etwa von Neufundland und Québec bis nach Tennessee, ist die gelbe bis orange var. guessowii besonders häufig. Ihre Hutmitte ist oft kräftiger orange gefärbt als der Rand. Der tschechische Mykologe Rudolf Veselý gab ihr 1933 den Namen, um sie von der europäischen var. formosa abzugrenzen.

An der Küste im Südosten der USA wächst eine pfirsich- bis melonenfarbene Form, deren Hüllreste am Stiel nur schwach ausgebildet sind oder ganz fehlen. Sie wurde lange als var. persicina geführt und 2015 von Tulloss und Geml auf Grundlage von DNA-Daten als eigene Art Amanita persicina abgetrennt. Als Seltenheit gilt schließlich var. alba mit weißem bis silbrig-weißem Hut.

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Verblasst statt verschieden: Regen, Sonne und Alter

Wer in einem deutschen Wald einen orangefarbenen Fliegenpilz findet, hat mit großer Wahrscheinlichkeit keine seltene Varietät vor sich, sondern einen gewöhnlichen, verblassten var. muscaria. Die Farbstoffe der Huthaut sind wasserlöslich: Starker Regen wäscht sie aus, Sonne bleicht sie, und mit dem Alter verliert der Hut ohnehin an Leuchtkraft. Mehr zu den Farbstoffen lesen Sie im Beitrag warum der Fliegenpilz rot ist.

Typische Anzeichen für ein verblasstes Exemplar sind:

  • eine ungleichmäßige, fleckige Färbung statt eines gleichmäßigen Farbtons
  • abgewaschene oder nur noch vereinzelte Flocken
  • ein fein gerillter Hutrand, der auf ein älteres Exemplar hindeutet
  • kräftig rote Exemplare derselben Art in unmittelbarer Nähe

Heikel wird es, wenn ein flockenloser, orangefarbener Hut mit anderen Arten verwechselt wird. Der Kaiserling aus Südeuropa hat ebenfalls einen orangeroten Hut, aber goldgelbe Lamellen, einen gelben Stiel und eine große weiße, sackartige Scheide am Grund. Der europäische Fliegenpilz hat dagegen weiße Lamellen und einen weißen Stiel.

Königsfliegenpilz: Von der Varietät zur eigenen Art

Ein Beispiel dafür, wie sich die Einteilung ändert, ist der Königsfliegenpilz. Er wurde früher als Varietät des Fliegenpilzes geführt (Amanita muscaria var. regalis) und gilt heute als eigene Art, Amanita regalis. Sein Hut ist leber- bis ockerbraun, die Flocken sind weißlich bis gelblich, und er wächst vor allem in nordischen Nadelwäldern. Alle Details liefert unser Steckbrief zum Königsfliegenpilz.

In unserem Shop sind getrocknete Königsfliegenpilz-Kappen aus nordeuropäischer Wildsammlung als eigene Sammlerware erhältlich. Wie sich Fliegenpilz, Pantherpilz und Königsfliegenpilz botanisch unterscheiden, zeigt der Vergleich der drei Amanita-Arten.

Taxonomie im Wandel

Die Geschichte von Amanita persicina zeigt, dass beim Fliegenpilz das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. DNA-Analysen haben die Grenzen zwischen Varietäten und Arten mehrfach verschoben, und weitere Umbenennungen sind zu erwarten. Für Sammler heißt das: Achten Sie auf die vollständige wissenschaftliche Bezeichnung und die Herkunftsangabe, denn die Farbe allein sagt wenig über die Zuordnung.

An einer Regel ändern neue Namen nichts: Alle Formen des Fliegenpilzes gelten als giftig, gleich welcher Farbe. Welche Beschwerden auftreten können und was im Ernstfall zu tun ist, beschreibt unser Ratgeber zu den Symptomen einer Fliegenpilz-Vergiftung. Bei Verdacht wenden Sie sich sofort an einen Giftnotruf oder wählen den Notruf 112.

Fazit: Ein Pilz, viele Gesichter

Der rote Fliegenpilz mit weißen Flocken ist die eurasische Nominatform var. muscaria. Gelbe, orange, pfirsichfarbene und weiße Varietäten wachsen überwiegend in Nordamerika, während ein oranger Hut in Mitteleuropa meist nur abgeregnet oder gealtert ist. Mit jeder neuen DNA-Studie kann sich die Einteilung weiter verändern.

Unsere Ware stammt aus baltischer Wildsammlung, wo die klassische rote Form wächst. In der Kollektion mit rotem Fliegenpilz aus dem Baltikum finden Sie Kappen, Pulver und weitere Formen – laborgeprüft, für Sammler, Deko und Forschung, nur ab 18 Jahren und nicht zum Verzehr bestimmt.

Häufige Fragen

Gibt es gelbe Fliegenpilze in Deutschland?

Von Natur aus gelbe Formen sind in Mitteleuropa sehr selten. Ein gelblicher Fliegenpilz ist hier meist ein ausgebleichtes rotes Exemplar oder gehört zu einer anderen Art – eine sichere Bestimmung gehört in die Hände von Fachleuten.

Ist der gelbe Fliegenpilz weniger giftig als der rote?

Nein, auch gelbe und orange Formen gelten als giftig. Unterschiede im Gehalt einzelner Inhaltsstoffe zwischen den Varietäten sind nicht so gut untersucht, dass sich daraus Schlüsse ziehen ließen.

Welche Farbe hat der Königsfliegenpilz?

Sein Hut ist braun, von leberbraun bis ockerbraun, und trägt weißliche bis gelbliche Flocken. Früher als Varietät des Fliegenpilzes geführt, gilt er heute als eigene Art Amanita regalis.

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Hinweis: Unsere Produkte werden ausschließlich als Sammler-, Dekorations- und Forschungsartikel verkauft und sind nicht zum Verzehr bestimmt. Verkauf nur an Personen ab 18 Jahren. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung.

Titelbild: Thekidpossum, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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